Entropie

Ein Naturgesetz zerstört die Vorstellung, daß Wissenschaft und Technologie eine geordnete Welt schaffen. Entropie erklärt, warum in allen Bereichen Krise, Verfall, Zerstörung und Chaos zunehmen.

Jeremy Rifkin

Das Entropiegesetz ist das am meisten ökonomische aller Naturgesetze.

Nicolas Georgescu-Roegen

Merkwürdig, dass ein so überaus bedeutsames Naturgesetz kaum bekannt ist, geradezu ignoriert wird. Dabei ist seine Wirkung alltäglich und überall präsent.

Die Erklärung für das Verschweigen liegt wohl darin, daß es so manchen Irrsinn und die dahinter stehenden Interessen transparenter machen würde, wenn seine Auswirkungen erklärt und benannt würden.

Wissenschaftler und Techniker, Ingenieure und Architekten sind aufgerufen, ihre Verantwortung gegenüber der Gesellschaft wahrzunehmen und ihre fachlich begründete Einsichtsfähigkeit dazu zu nutzen, die Ignoranz der Politiker gegenüber der Entropie gesellschaftlich bewußt zu machen. Daher soll hier versucht werden, in aller Kürze unter Inkaufnahme wissenschaftlicher Ungenauigkeit Wesentliches dazu darzustellen.

Das Gesetz besagt:

Es ist keine Arbeit möglich ohne Verbrauch von Energie und Material.
Dabei bedeutet Verbrauch die Umwandlung in praktisch nicht rückholbare Energie und nicht rückholbares Material. Um Energie und Material wenigstens teilweise zurückzuholen (Recycling), muß wiederum Energie und Material aufgewendet werden. Die Grenze des Recyclings ist dadurch gegeben, daß es sinnlos wird, wenn für das Recycling genauso viel Material und Energie aufgewendet werden muß als wiedergewonnen wird. Verbrauchte Energie verflüchtigt sich immer weiter in die Umgebung, bis sie darin praktisch verschwindet. Um Energie wiederzugewinnen, wird eine deutliche Temperaturdifferenz zur verbrauchten Energie benötigt, die meist nicht zur Verfügung steht.

Zum Beispiel kann ein Luft-Luft-Wärmetauscher in einem Gebäude keine Wärme zurückgewinnen, wenn Abluft und Zuluft annähernd gleiche Temperatur haben. Besteht aber eine Temperaturdifferenz, muß die Luft mechanisch befördert werden, was wieder Energie und Material benötigt.
Angewandt auf das Baugeschehen ist es also Aufgabe von Wissenschaftlern, Technikern, Ingenieuren und Architekten, zu bewerten, welche Baustoffe, Produktionstechniken und Nutzungen in welcher vergleichbaren Weise energetisch und bezüglich des Ressourcenverbrauchs am wenigsten die Umwelt belasten. Diese Bewertung darf sich nicht auf die Produktion beschränken. Sie muß über den gesamten „Lebens“-Zyklus einschließlich „Entsorgung“, ggf. noch zusätzlich Recycling, erfolgen. Die Bewertung darf auch „Nebenwirkungen“ während der Herstellung und des Gebrauchs nicht auslassen. Denn diese lösen (z. B. durch Krankheiten) weiteren oft gewaltigen Verbrauch von Energie und Material aus. Sie muß auch berücksichtigen, daß bestimmte Energieformen und bestimmte Ressourcen in überschaubaren Zeiträumen nicht mehr zur Verfügung stehen. Eine „echte“ Bewertung dieser Art hat natürlich auch einen „echten“ Preis zur Folge. Dieser so ermittelte Preis ist folglich ein sicherer Maßstab für die tatsächliche Qualität eines Bauprodukts oder eines Produkts oder Prozesses generell.

Zugestandenermaßen ist die Bewertung mit einer Kennzahl dieses „ökologischen Kreislaufs“ aufwändig. Im Grunde ist sie aber die wichtigste Kennzahl eines Baustoffs oder eines Prozesses überhaupt.
Sie erfordert auch eine Bewertung der weiteren Umweltschäden letztlich als Sediment auf einer Deponie oder als Luft-, Wasser- und Bodenbelastung in der gesamten Umwelt. Gerade dieser Bewertung kommt eine ungeheure Bedeutung zu, da wir unsere Umwelt ohne diese Bewertung bereits in unerträglicher Weise belastet haben. Sie eröffnet auch die Möglichkeit, z. B. bestimmte Wärmedämmstoffe nicht nur einseitig auf ihre Dämmfähigkeit und Brennbarkeit hin zu beurteilen, sondern auch den Unsinn überzogener Dämmstärken und ihre energie- und ressourcenfressenden Eigenschaften bezüglich der Herstellung und ihre Umweltbelastung als Sondermüll deutlich zu machen. Damit dient diese Bewertung auch einer Objektivierung politischer Bewertung.

Zur weiteren Einarbeitung in dieses „Grundgesetz“ wird folgende Literatur empfohlen:

Jeremy Rifkin
Entropie. Ein neues Weltbild
Hamburg (Hoffmann und Campe) 1982

Christian Schütze
Das Grundgesetz vom Niedergang
Arbeit ruiniert die Welt
München Wien (Hanser) 1989