Prinzipien

Aufforderung, fünf Prinzipien der Natur auf Baustoffe und Bauweisen anzuwenden

I

Baustoffe sind aus reinen Rohstoffen herzustellen. Die Bauweisen sind auf diese Stoffe abzustimmen und auf größte Haltbarkeit auszurichten (Reinheitsprinzip)

Erläuterung:

Reine Baustoffe, saubere Trennung und größte Haltbarkeit bedeuten:

  • Energiesparend
  • Technologisch einfach
  • Leicht identifizierbar
  • Hohe Ausbeute
  • Geringe Gesundheitsrisiken
  • Keine Deponiebelastung
  • Option auf Mehrfach-Recycling

II

Baustoffe müssen wiederverwendbar sein. Deswegen ist die Verbindung mehrerer Baustoffe nur vertretbar, wenn sie leicht rückgängig zu machen ist. Bauweisen sind auf Wiederverwendbarkeit abzustimmen (Recyclingprinzip)

Erläuterung:

Vermischung bedeutet:

  • Energie-intensiv
  • Technologisch kompliziert
  • Aufwändige Identifikation
  • Geringe Ausbeute
  • Vielfältige Gesundheitsrisiken
  • Hohe Deponiebelastung
  • Bei Recyclingversuch  unkontrollierbare Heterogenität und Schadstoffkumulierung
  • und entweder Materialverlust wegen Verzicht auf Recycling 
  • oder Energieverlust durch entropisches Mißverhältnis bei Wiedergewinnung

III

Baustoffe und Bauweisen sind mit größtmöglicher Lebensdauer und geringstem Rohstoffaufwand einzusetzen. Dabei sind Reserven für Verschleiß und Korrosion zu berücksichtigen (Entropie der Stoffe)

Erläuterung:

Die Prinzipien III und IV sollten zusammen betrachtet werden und bedeuten:

  • Höchst Planungsintensiv, aber
  • Geringster denkbarer Stoff- und Energieaufwand
  • „Lebensdauer“ bestimmen ist unvermeidlich
  • Differenzierte Bauteil-Lebensdauer
  • „Verschleißteile“ leicht ersetzbar und ihrerseits langlebig
  • Ökologische Bilanz führt zur Relativierung des Materialaufwands (z. B. Dämmstoffdicke)

IV

Baustoffe und Bauweisen sind mit dem geringsten Energieaufwand einzusetzen. Dabei ist auch die Energie für Beschaffung, Verlagerung, Herstellung, spätere Wiederverwendung oder so genannte Beseitigung einzubeziehen (Entropie der Energie)

Erläuterung:

Die Prinzipien III und IV sollten zusammen betrachtet werden und bedeuten:

  • Höchst Planungsintensiv, aber
  • Geringster denkbarer Stoff- und Energieaufwand
  • „Lebensdauer“ bestimmen ist unvermeidlich
  • Differenzierte Bauteil-Lebensdauer
  • „Verschleißteile“ leicht ersetzbar und ihrerseits langlebig
  • Ökologische Bilanz führt zur Relativierung des Materialaufwands (z. B. Dämmstoffdicke)

V

Synthetische Baustoffe und damit verbundene Bausysteme sind nur dann zuzulassen, wenn die Hersteller nachgewiesen haben, daß diese Stoffe und Systeme keine Risiken für Mensch und Natur enthalten, weiter, daß diese Stoffe und Systeme den Forderungen I bis IV genügen, und wenn die Hersteller für den gesamten Zeitraum der Verwendung dieser Stoffe mit angemessenen gesicherten Rücklagen für deren Einwandfreiheit haften (Vorsorgeprinzip, Ersatz für Evolution)

Erläuterung:

Bedeutet ein neues Bewußtsein:

Diese Forderung im Sinne einer erweiterten Produkthaftung gibt es in katastrophalem Ausmaß zu wenig! Aber Ressourcen und Energie werden unaufhaltsam weniger, Krankheiten und Umweltschäden durch Bauen immer mehr

Politisch herrscht die Verantwortungslosigkeit
Juristisch fehlt vor allem die Beweislastumkehr

Und:

Naturgesetze lassen sich nicht verbiegen
Für viele Baustoffe und Bausysteme dieses Typs gelten die Nachteile des Verstoßes gegen Prinzip II (Recyclingprinzip)
Immer weniger Reparaturfähigkeit mit handwerklichen Mitteln
Handwerkskultur verkümmert, Handwerker werden zu „Erfüllungsgehilfen“ der Bauprodukte-Hersteller
Traditionelle ökologisch sinnvolle handwerkliche Bautechniken werden verdrängt
Haftungsbeschränkung und Förderung der kommerziellen Globalisierung